Mit allen Sinnen: Babys Entwicklung im Mutterleib (Teil 2)

Doch das Baby kann nicht nur hören und dabei Geräusche aus dem Inneren der Gebärmutter, des mütterlichen Körpers als auch von außen wahrnehmen, es kann auch schon sehen.

Sehen

Zwischen der 25. und 28. Schwangerschaftswoche beginnt das Ungeborene damit zu blinzeln. Ist es wach wird es die Augen immer wieder geöffnet haben. Doch auch mit geschlossenen Augen kann es nun zwischen hell und dunkel schon unterscheiden. Es kann sein, dass es sich hellem Licht zuwendet – wenn die werdende Mutter beispielsweise in der Sonne sitzt. Die Sehkraft ist jedoch der am wenigsten entwickelte Sinn bei der Geburt, was ob der begrenzten Stimulation im Mutterleib auch logisch ist. Andere Sinne können schon vor der Geburt trainiert werden. Doch das Kleine findet sich auch ohne Landkarte und Taschenlampe im Uterus der Mutter zurecht und so ist es nicht verwunderlich, dass Babys bei der Geburt nur wenige cm weit sehen können und sehr empfindlich auf helles Licht reagieren, das sie nun mal nicht gewöhnt sind. Mit schmerzverzehrtem Gesicht wenden sie sich ab. Frederick Leboyer erkannte diese Schutz- und Fluchtreaktion des Babys und versuchte die Geburtshilfe daraus aufzurichten, dass die Frauen in einem abgedunkelten oder wenigstens nicht weiß und hell erleuchtetem Raum gebären können. Doch nicht nur die Dunkelheit, auch sanfte Rottöne ist das Kind von vor seiner Geburt gewohnt. Mit ein Grund, warum einige Kliniken Räume in rot gestrichen haben. Auch rote Vorhänge, ein rotes Nestchen oder ein roter Betthimmel, der zudem begrenzend wirkt tragen zu Babys Wohlgefühl bei.

Trotz der begrenzten Sehfähigkeit hat schon das Neugeborene einen wachen Blick, mit dem es seine Umgebung und besonders Gesichter betrachtet. Diese dürfen nur nicht zu weit von ihm entfernt sein. Besonders das Gesicht der Mutter und des Vaters prägt es sich ein und betrachtet sie immer wieder.

Geschmacks- und Geruchssinn

Ab dem zweiten Trimester trinkt das Baby regelmäßig Fruchtwasser, das es später wieder ausscheidet. Das ist vollkommen unbedenklich, da das Fruchtwasser alle drei Stunden vollkommen neu ausgetauscht wird. Bis zu einem halben Liter pro Tag konsumiert das Baby am Ende der Schwangerschaft schließlich und trainiert dabei schon mal seine Verdauung.

Der grundlegend süße Geschmack des Fruchtwassers verändert sich dabei jedoch auch mit dem, was die Mutter auf ihrem Speiseplan hat. Und so gibt es Studien, die nachweisen, dass Kinder später die Nahrungsmittel bevorzugen, mit deren Geschmack sie bereits aus dem Mutterleib heraus vertraut sind. Das Baby entwickelt eine Art Geschmacksgedächtnis. So ist inzwischen bekannt, dass Babys von Frauen, die in ihrer Schwangerschaft viel Knoblauch gegessen haben, diesen später auch mögen.

Die Mutter hat in ihrer Schwangerschaft damit also nicht nur die Chance, sich selbst und das Kind gut und gesund zu ernähren, sondern auch die ersten Anlagen für eine gesunde Ernährung für das spätere Leben des Kindes zu stellen, indem sie sich mit gesunder und abwechslungsreicher Kost ernährt, die das Baby mit verschiedenen Geschmacksrichtungen in Kontakt bringt.

Der Geruchssinn, der im Uterus eine untergeordnete Rolle spielt ist trotz dessen nach der Geburt fertig ausgebildet. So finden Neugeborene auch mit geschlossenen Augen den Weg zur Brustwarze der Mutter, um die herum Duftdrüsen sitzen, die den spezifischen Geruch der Mutter und der Muttermilch absondern. Das Baby prägt sich den Geruch der eigenen Mutter nicht nur ein, sondern zieht ihn auch dem Geruch anderer Frauen vor.

Fühlen über die Haut als wichtigste Sinneserfahrung

Das wichtigste aller Sinnesorgane für das Ung- und Neugeborene ist jedoch die Haut über die es früh die ersten Sinneserfahrungen im Mutterleib erfährt.

Schon in der achten Schwangerschaftswoche sind die Nerven um den Mund des Babys darauf ausgelegt, Berührungen in diesem Bereich wahrzunehmen. Und so ist es nicht verwunderlich, wenn es früh mit Händen und Finger Kontakt zum Mund sucht und schon im Mutterleib gerne am Daumen lutscht. Auch nach der Geburt und die gesamte Babyzeit über sind die Nerven um den Mund herum das wichtigste Sinnesinstrument, mit dem die Kleinen ihre Umwelt wahrnehmen und erforschen. Und so erklärt sich auch, warum Gegenstände sobald dies möglich ist zuallererst mit der Hand an den Mund geführt werden, um dort einmal genau in ihrer Beschaffenheit „ausgekundschaftet“ zu werden.

Die Berührungsempfindsamkeit dehnt sich im Laufe der Schwangerschaft über den ganzen Körper des Ungeborenen aus, bis es schließlich auch Berührungen von außerhalb der Bauchdecke genießen kann. Ein guter Weg um mit seinem Kind in Kontakt zu kommen, ist deshalb das Streicheln oder Massieren des Bauches. Einige Frauen berichten auch, dass die Kleinen gerne zb ihre Füßchen für eine sanfte Fußmassage gegen die Bauchdecke drücken und sich genrell den Berührungen zuwenden. Auch die Kontraktionen der Gebärmutter, die bis zum Ende der Schwangerschaft häufiger und stärker werden und schließlich in die Geburtswehen übergehen erlebt es wohl als eine Art Massage.

Bis zur 33. Schwangerschaftswoche sind jedenfalls alle Sinnesorgane fertig ausgebildet. Das Baby kann nicht nur Fühlen und Hören, sondern auch Riechen, Schmecken und Sehen. Es kann atmen und schlucken und sich nicht nur äußeren Reizen zuwenden oder sich von diesen zurückziehen, sondern auch von sich aus Kontakt aufnehmen. Unglaublich, was schon vor der Geburt an Fähigkeiten in unseren Kleinen schlummern, oder? Und wunderbar, dass sie all diese Fähigkeiten schon im Mutterleib trainieren, die sie dann nach der Geburt für den Kontakt zu den Eltern die sein eigenes Überleben außerhalb des Uterus auch sichern nutzen können. Wunderwerk Menschlein.

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